Fragen von Rainer Fromm und die Antworten

Sent: Thursday, March 16, 2006 2:42 PM
Subject: Interviewanfrage Rainer Fromm
 
Dr. Rainer Fromm  Postfach 120429  65082 Wiesbaden
 
Fr. Thekla Walker
Pressesprecherin
Bund Freier Waldorfschulen
Bund der Freien Waldorfschulen e.V.
Wagenburgstr. 6
D-70184 Stuttgart

Hr. Dr. Detlef Hardorp
Bildungspolitischer Sprecher Berlin-Brandenburg

                                                                         
                                               
Wiesbaden, 16.3.2006
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Zusage, mich bei meinem Filmprojekt über die Praxis der Lehrausbildung und die pädagogische Situation an Waldorfschulen zu unterstützen. Ich produziere den Beitrag für das ZDF-Magazin "Frontal 21"; geplanter Sendetermin ist Dienstag, 21.3.2006.

Bei unseren bisherigen Aufnahmen äußerten Interviewpartner Kritik, zu der wir Sie gerne wie folgt befragen möchten:

1.) Wie beurteilen Sie derzeit das pädagogische Angebot der Waldorfschulen im qualitativen Vergleich zu staatlichen Schulen?
 
2.) Welche Bedeutung haben die Lehren Rudolf Steiners heute in den pädagogischen Einrichtungen sowie bei der Ausbildung Ihrer Lehrkräfte?
 
3.) Uns liegen Interviewaussagen vor, dass noch heute in den Literaturhinweisen für Ihre Lehrkräfte auch rassistische und demokratiefeindliche Werke enthalten sind. Wie beurteilen Sie diese Aussagen?
 
4.) Zwei frühere Teilnehmer Ihrer Lehrerausbildung sprechen von einer Erziehung zum Irrationalismus und Okkultismus in ihren Seminaren (Atlantisglaube, Antlitztheorie, Wurzelrassenlehre). Ähnliche Erlebnisse schildert auch ein früherer Kursteilnehmer aus Berlin in einem Aufsatz (Link). Wie bewerten Sie diese Schilderungen?
 
5.) Frühere Eltern und Schüler sprechen in Interviews von Fernseh-, Walkman- und Handyverboten in Ihrer pädagogischen Erziehung und werfen Ihnen Technologiefeindlichkeit vor? Wie beurteilen Sie diese Aussagen?
 
6.) Uns liegen Aussagen von Waldorfschülern und Waldorfeltern vor, die in Waldorfschulen von rassistischen Diskriminierungen berichten. Wie bewerten Sie diese Schilderungen?

Aus produktionstechnischen Gründen bitten wir Sie, uns die Fragen bis Montag, 20.3.2006, 18.00 Uhr, zu beantworten. Falls Sie keine Zeit für ein Fernsehinterview finden, würde ich Sie bitten, die Fragen bis zu diesem Termin schriftlich zu beantworten.
 
Vielen Dank und
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Dr. Rainer Fromm

Die Fragen wurden vom Bund der Freien Waldorfschulen wie folgt beantwortet:
 
1.) Wie beurteilen Sie derzeit das pädagogische Angebot der Waldorfschulen im qualitativen Vergleich zu staatlichen Schulen?
 
Waldorfschulen leisten, wie viele andere Schulen in freier Trägerschaft auch, einen Beitrag zur Bildungsvielfalt in Deutschland, die im Grundgesetz verankert ist.
 
2.) Welche Bedeutung haben die Lehren Rudolf Steiners heute in den pädagogischen Einrichtungen sowie bei der Ausbildung Ihrer Lehrkräfte?
 
Die Darstellungen Rudolf Steiners zur Pädagogik sind Bestandteil der Ausbildung der Lehrkräfte. Anthroposophie ist kein Lehrinhalt an den Schulen.
 
3.) Uns liegen Interviewaussagen vor, dass noch heute in den Literaturhinweisen für Ihre Lehrkräfte auch rassistische und demokratiefeindliche Werke enthalten sind. Wie beurteilen Sie diese Aussagen?
 
Jegliche Form von Rassismus ist mit der Waldorfpädagogik und dem anthroposophischen Menschenverständnis unvereinbar.
Demzufolge distanzieren wir uns  auch deutlich von jeglicher Literatur, die rassistische oder demokratiefeindliche Aussagen enthält.
 
4.) Zwei frühere Teilnehmer Ihrer Lehrerausbildung sprechen von einer Erziehung zum Irrationalismus und Okkultismus in ihren Seminaren (Atlantisglaube, Antlitztheorie, Wurzelrassenlehre). Ähnliche Erlebnisse schildert auch ein früherer Kursteilnehmer aus Berlin in einem Aufsatz (Link). Wie bewerten Sie diese Schilderungen.
 
Die von Ihnen genannten Themen sind kein Bestandteil der Waldorf-Pädagogik und somit auch kein Ausbildungsinhalt an den Lehrerseminaren.
 
5.) Frühere Eltern und Schüler sprechen in Interviews von Fernseh-, Walkman- und Handyverboten in Ihrer pädagogischen Erziehung und werfen Ihnen Technologiefeindlichkeit vor? Wie beurteilen Sie diese Aussagen?
 
Handyverbote werden von einigen Waldorfschulen wie auch von vielen staatlichen Schulen praktiziert. Auch der kritische Umgang mit Medien wird thematisiert.
Die Rudolf Steiner Schule in Berlin führte bereits in den 1950er Jahren als Vorreiterin aller Berliner Schulen Informatikunterricht ein, heute ist Computertechnik integraler Bestandteil des Mittel- und Oberstufenbereichs an Waldorfschulen.
 
6.) Uns liegen Aussagen von Waldorfschülern und Waldorfeltern vor, die in Waldorfschulen von rassistischen Diskriminierungen berichten. Wie bewerten Sie diese Schilderungen?
 
Siehe auch Frage 3: Jegliche Form von Rassismus ist mit der Waldorfpädagogik und dem anthroposophischen Menschenverständnis unvereinbar.
 
Um die genannten Schilderungen bewerten zu können, sollten diese dem Bund der Freien Waldorfschulen vorliegen.



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