Schlechte Noten für die Chancengleichheit hatte die PISA-Studie Deutschland verpasst. Nationale Bildungsstandards sollen Abhilfe schaffen, fordern die Politiker fast aller Parteien in seltener Einigkeit.

 

Aber:

 

Nationale Bildungsstandards

  • spornen nicht zu höheren Leistungen an, denn sie engen die Zielvorgaben ein.
  • führen keineswegs zu besseren Ergebnissen, denn sie formulieren nur das Ziel, verbessern aber nicht die Bedingungen auf dem Weg dorthin,
  • reduzieren schulischen Erfolg und Leistung auf quantitative, messbare Kriterien,
  • erzwingen die Normierung, anstatt die individuelle Vielfalt zu fördern.

 

Eines allerdings erreichen nationale Bildungsstandards: eine weitere Selektion der Schüler. Doch das deutsche Bildungssystem braucht nicht noch mehr Regelwerk.
Es braucht pädagogische Freiräume und (Eigen-)Verantwortlichkeit vor Ort: in jeder einzelnen Schule, bei jeder einzelnen Lehrerpersönlichkeit. Die Modellversuche Selbstständige Schule in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen etwa sind durchaus ein Schritt in diese Richtung.
Zentrale Bildungsstandards aber heben die erhoffte Wirkung eher auf. Sie ignorieren das im Grundgesetz verankerte Gebot der Vielfalt im Bildungsbereich. Sie werden auch nicht der Vielfalt der kindlichen Entwicklungsbedürfnisse sowie den gesellschaftlichen Zukunftsaufgaben gerecht.

 

Chancengleichheit reicht nicht aus – unsere Kinder brauchen Chancengerechtigkeit.

 

25. September 2002