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In der Sendung wurden die Waldorfschulen in Deutschland mit der Ausgrenzung von Behinderten, Rassismus, Antisemitismus und der Legitimierung des Holocaust in Verbindung gebracht. Zahllose Waldorf - Eltern, - Schüler und - Lehrer haben den Inhalt dieser Sendung mit Befremden und Empörung zur Kenntnis genommen. Seit einigen Jahren gibt es eine kleine Gruppe hart-gesottener Anti-Waldorf Missionare, die Politiker, Medien und Ministerien über den "Skandal" Waldorfschule "aufklärt". Es handelt sich um Ideologen der Öko-linken Szene (wie der Journalist und Ökolinx Mit gründer Peter Bierl), die in Anthroposophie und Waldorfpädagogik ein neues Feindbild entdeckt haben, um dogmatische Atheisten aus dem "Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten" - IBKA - (wie dem Hauptschullehrer Reinhard Wiechoczek, Gründer der "Initiative zur Anthroposophie-Kritik" - IzAK), einigen unzufriedenen ehemaligen Waldorfeltern und neuerdings dem unzufriedenen ex-Waldorfschüler Samuel Althof (Gründer der "Aktion Kinder des Holocaust", s.u.). Es folgt eine kommentierte Fassung der "Report"-Sendung. Stellung nimmt Dr. Detlef Hardorp, Bildungspolitischer Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg. "Verlassen wir für einen Moment die Politik und wenden uns einem anderen Thema zu: den Waldorfschulen. Hier gibt es keine Noten, dafür gibt es manches, was in es in den anderen Schulen nicht gibt: Fremdsprachen schon nach dem ersten Schuljahr, einen Ökogarten für die Schulküche, Mädchen, die schreinern, Jungen, die stricken, und keiner bleibt sitzen. So sind Waldorfschulen seit 80 Jahren ein Begriff für sanftes Lernen. Jetzt aber kommen sie ins Gerede. In Frankreich beschäftigt sich die Sektenkommission des Parlaments mit den Waldorfschulen und ihren anthroposophischen Lehren." Kommentar: Korrekt wäre: "beschäftigte". Die Sektenkommision ist aufgelöst. Der Berichterstatter der Kommission, M. J. Guyard, mußte sich kürzlich vor Gericht verantworten, weil er unvorsichtigerweise die zum Teil haarsträubend schlecht recherchierten Inhalte seiner Kommission vor der Presse wiederholte. Wenn er geltend machen kann, daß seine Immunität dennoch außerhalb des parlamentarischen Rahmens gilt, wird er den Prozeß voraussichtlich nicht verlieren (das Urteil steht noch aus). Ansonsten sprechen die Fakten gegen ihn. Das schrieb ich am 29. Februar 2000. Am 21. März 2000 ist Jacques Guyard zu einer Geldstrafe und hohen Schadensersatzzahlungen wegen Diffamierung verurteilt worden. "Die Arbeiten des parlamentarischen Untersuchungsausschuß stellen keine »seriöse Untersuchung« dar", so der Untertitel eines Zeitungsartikels in 'Le Monde' vom 23.3.2000. Le Monde: "Unermüdlich betont er [Guyard] den »geheimen« Charakter der Arbeit der parlamentarischen Kommission; dieser - gibt er an - hindere ihn daran, seine Quellen preiszugeben. »Das ist sehr viel Geheimniskrämerei, während alle Welt wissen will, wie das von statten geht!«, hat schließlich die Gerichtspräsidentin, Martine Ract-Madoux ausgerufen. "Und auch in Deutschland wird die Kritik an Konzepten und Unterrichtsformen immer lauter. Barbara Siebert und Eric Friedler berichten. B E R I C H T: Waldorfschulen in Deutschland. 12 Jahre lang kein Leistungsdruck, keine Noten, keine Auslese. Viel Raum für Musik und Kunst. Schlüsselfigur ist der Klassenlehrer, acht Jahre lang führt er allein die Kinder durch den Lehrstoff" Kommentar: Das ist falsch. Tatsächlich gibt es Fachlehrer ab der 1. Klasse. Nur in den ersten zwei Stunden am Tag hat der Klassenlehrer alleine die Regie. "- ohne Schulbücher. Diese Pädagogik ist mit einem Mann verbunden, dessen Bild in fast jeder Waldorfschule hängt - Rudolf Steiner. Basis der Waldorfpädagogik ist seine Lehre. Doch die soll nun Risse haben. Wir sprechen mit enttäuschten Müttern von Waldorfschülern aus allen Teilen der Bundesrepublik, fragen, warum sie ihre Kinder von der Schule nahmen. Heute haben sie Angst. Viele werden als Verräterinnen beschimpft." Kommentar: Es gibt immer wieder enttäuschte Eltern, die ihre Kinder von der Schule nehmen. Dafür gibt es verschiedenste Gründe. Beschimpfungen als "Verräterinnen" paßt in das Bild von sektenhaftem Umgang. Mit der Realität von Waldorfschule dürfte es nichts zu tun haben. Mir ist kein einziger Fall bekannt, wo Eltern, die ihre Kinder von der Waldorfschule genommen haben, seitens der Schule als "Verräter" beschimpft wurden. "Sie wollen nur anonym aussagen." Kommentar: Sonst könnte auch auffallen, daß sich seit Jahren immer wieder dieselbe Elternkombo medienwirksam in Szene setzt: das Eltern-Casting entspricht weitgehend dem des vor sechs Jahren gedrehten Negativ-Mythos Flimmerstreifens "Ich lobe das Wort". Schon bei diesem Film hatte die Landesbildstelle Karlsruhe auf "eine sehr einseitige und polemische Kritik, bedingt durch die tendenziöse Auswahl der Kritiker" hingewiesen, durch die "das Bild der Waldorfschulen verfälscht wird"." "O-Ton, Mutter eines ehemaligen Waldorfschülers: »Da ist keine Durchsichtigkeit da, keine Transparenz. Wir wissen nicht, was da eigentlich gemacht worden ist. Es ist grundsätzlich so, dass die Eltern in diese Pädagogik nicht genügend Einblick erhalten.«" Kommentar: Grundsätzlich verpflichten die Waldorfschulen in Berlin und Brandenburg neue Eltern, sich erst einmal eine Vorstellung darüber anzuhören, was Waldorfpädagogik ist und wie Waldorfschule läuft. Denn es gibt keinen besseren Quell der Unzufriedenheit, als wenn Eltern mit völlig falschen Erwartungen an die Waldorfschule kommen. Z.B. "Waldorfschule sei eine 'anti-autoritäre' Schule" (sie ist es nicht). Sie ist aber auch keine autoritäre Schule (in der Unterstufe will sie auf die "liebevolle Autorität des Lehrers" bauen, siehe auch "Was will Waldorfpädagogik ?"). Während der Schulzeit finden regelmäßig Elternabende statt, wo auf den Unterricht sowie seine Hintergründe eingegangen wird. Hier gibt es keine Tabus. Allerdings wollen viele Eltern einfach eine gute Schule für ihre Kinder. Jeder beschäftigt sich mit dem Hintergrund der Pädagogik in dem Maße, wie er Interesse und Muße hat. "O-Ton, Mutter eines ehemaligen Waldorfschülers: »Eine Schule, die rassistisch geprägt und welltanschaulich sehr einseitig auf Steiner ausgerichtet ist. Es ist also eine Führerfigur, die ich eigentlich so nie für meine Kinder für meine Kinder hätte haben wollen." Kommentar: Steiner ist den Schülern kaum bekannt. Eine "Führerfigur" für Kinder ist er noch nie gewesen. Daß Lehrer einer Rudolf Steiner- oder Waldorfschule sich an Steiner orientieren, ist allerdings nicht zu bestreiten. Regelmäßig setzen sich Lehrerkollegien kritisch mit Steiner auseinander. "Im Geschichtsunterricht wurde von Rassen gesprochen." Kommentar: Ist das Erwähnen von Rassen im Geschichtsunterricht schon rassistisches Verhalten der Lehrer? "Die Völker wurden kategorisiert, und diese ganze Evolutionstheorie, mir ist das alles etwas eigenartig.«" Kommentar: Es ist Aufgabe von Schule, die Augen der Schüler für die Welt zu öffnen. Insbesondere ist es wichtig, Schülern auch ganz andere Kulturen nahezubringen. Es gehört zu dem pädagogischen Repertoire eines guten Geschicht- oder Geographielehrers, nicht nur trockene Fakten zu vermitteln, sondern diese zum Leben erblühen zu lassen. Menschen sind immer in erster Linie Individuen. Daß die Menschenwürde unantastbar ist, ist Grundlage der deutschen Verfassung sowie der Anthroposophie Rudolf Steiners. Dennoch besitzt der Mensch auch überindividuelle Eigenschaften. Dazu gehören z.B. konstitutionelle Eigenschaften des physischen Leibes (wie Triebe, gehört in den Biologieunterricht), aber auch Sozialisierungseigenschaften der Menschengemeinschaft, in der er lebt. Gehört letzteres in den Geographie bzw. in den Geschichtsunterricht? "Völkerkunde" ist ein Fach, das nicht ganz zu unrecht aus der Mode gekommen ist. Denn der Versuch, psychologische Eigenschaften von Völkern zu charakterisieren, ist ein gefährliches Unterfangen, weil es leicht in Stereotypisierung ausarten könnte. Sollte ein würdevoller Umgang mit diesem Thema nicht gerade deswegen in der Schule seinen Platz haben? "Sybille Jacobs tritt offen vor unsere Kamera. Viel zu spät sei sie aufgewacht und nahm ihre Kinder erst Mitte der 90er Jahre von der Waldorfschule. Seit einigen Jahren leitet sie einen Verein für Eltern ehemaliger Waldorfschüler. O-Ton, Sybille Jacobs, "Initiative zur Anthroposophie-Kritik", Augsburg: »Es wird meiner Meinung nach eindeutig rassistisches Gedankengut den Kindern vermittelt. Zwar subtil und so, dass die Eltern das nicht unbedingt sofort merken. Wir haben das auch nicht gemerkt, weil ich die Hefte damals nie so genau angeschaut habe, weil die Kinder keine Schularbeiten oder nur wenig Schularbeiten aufbekommen haben. Dann habe ich mir die Hefte vorgenommen, und dann hat es mich fast umgehauen.« Geschichtshefte der fünften Klasse aus verschiedenen Waldorfschulen. alle aus den letzten Jahren. Hier finden wir eine Entwicklungslehre der Menschen, die im Geschichtsunterricht staatlicher Schulen unbekannt ist. Die Arier, so heißt es dort, verließen den untergehenden Kontinent Atlantis, um zahlreiche Hochkulturen zu begründen." Kommentar: Man kann das Wort "Arier" nach dem Terror des Nationalsozialismus eigentlich heute nicht mehr benutzen. Schon gar nicht unkritisch in der Unter- und Mittelstufe. Insofern das dennoch geschehen sein sollte, ist Kritik hier voll berechtigt. Man sollte sich auch nicht auf Rudolf Steiner berufen, obwohl in Steiners Sprachgebrauch die Juden und Araber auch zu den Ariern zählten. Denn Inhalte der Anthroposophie haben als Unterrichtsinhalte in der Waldorfschule nichts zu suchen. Ich werde in der Region Berlin-Brandenburg eine Qualitätsoffensive anregen, um sicherzustellen, daß derartiges an Waldorfschulen der Region nicht stattfindet. Es ist wenig hilfreich, wenn die Ankläger sich derart intensiv in Anonymität hüllen, daß die Verantwortlichen der Waldorfschulen und Ministerien nie erfahren, um welche Lehrer und um welche Schulen es sich handelt. Wäre man an einer Aufklärung wirklich interessiert, wäre es selbstverständlich gewesen, die betroffenen Schulen um eine Stellungnahme zu bitten. Durch die vollständige Anonymisierung der Vorwürfe soll gleich die gesamte Waldorfschulbewegung in Verruf gebracht werden. Da an den 174 Schulen in Deutschland allein pro Jahr gut eine halbe Million Epochenhefte produziert werden, müßte man schon tonnenweise Epochenhefte sammeln, um repräsentative Aussagen machen zu können. "Begriffe wie "Arier", "Opferfeuer" oder "Arierwanderungen" tauchen auf - unkommentiert. Für den Betrachter von außen wird hier lediglich ein wenig bekannter Mythos vermittelt. Experten sind da anderer Meinung. Der Inhalt der Schulhefte zeige, dass den Kindern Mythologie als geschichtliche Tatsache gelehrt werde, eine Entwicklungstheorie, die die Arier besonders hervorhebe, sei pädagogisch unhaltbar." Kommentar: Mythologie spielt in den unteren Klassen der Waldorfpädagogik eine große Rolle. In der 5. Klasse ist u.a. Griechenland dran. Griechische Mythologie ist bekanntlich im Abendland nicht ganz unbedeutend gewesen. Hier muß es aber um mehr als Mythologie gehen, weil sich bekanntlich auch scharfes philosophisches Denken in der griechischen Kultur entwickelte. Weder in dem neusten Buch zum Kurrikulum der Waldorfschule von Tobias Richter noch in der von Waldorflehrern viel benutzen Orientierungshilfe "Geschichte Lehren" von Christoph Lindenberg wird Atlantis überhaupt erwähnt. In einer Sammlung von Unterrichtsmaterialien für Klassenlehrer (veröffentlicht in "Arbeitsmaterial für Klassenlehrer. Zur Unterrichtsgestaltung im 1. bis 8. Schuljahr an Waldorf - Rudolf Steiner Schulen", Verlag am Goetheanum) findet sich der lapidare Satz zum Unterricht der 5. Klasse: "Es kann angedeutet werden, daß Platon von einem mächtigen und alten Reich Atlantis spricht, das durch gewaltige Stürme, Erdbeben und Überschwemmungen untergegangen sei (siehe Platons Timaeus und Critias)". Das Konjunktiv zeigt, daß Mythologie nicht als geschichtliche Tatsache gelehrt werden sollte. Es ist in der Tat Aufgabe des Lehrers, diesen Unterschied deutlich zu machen. Heute wird dasjenige, was Steiner kurz als "Arier" bezeichnete, unter dem Begriff der Indo-Europäischen (zuvor Indo-Germanischen) Völker zusammengefaßt. Es ist zutreffend, daß im klassischen europäischen Waldorfkurrikulum eine Betonung der Geschichte dieser Kulturen erfolgt. An der Waldorfschule in Capetown - die übrigens noch vor der offiziellen Überwindung der Rassentrennung das Recht erkämpfte, in gemischten Klassen zu unterrichten (siehe Eine Waldorfschule im Kampf gegen die Apartheid ) - ist die Gewichtung anders. Lindenberg schreibt (mit Steiner), man solle besonders auf die Andersartigkeit der alten morgenländischen Kulturen, die sich z.B. in den Veden, den Upanischaden und der Mahabarata widerspiegeln, gegenüber der abendländischen Kultur herausarbeiten. Inwiefern dabei die Kulturen Chinas, Afrikas und anderen Kulturen der sogenannten "Dritten Welt" zu kurz kommen, ist eine berechtigte Frage, die sich allerdings nicht nur die Waldorfschulen stellen sollten." "O-Ton, Klaus Prange, Pädagoge, Universität Tübingen: »Diese Konstruktion hat die Funktion, in den einzelnen ein Bewußtsein zu erzeugen, dass in ihnen selbst die ganze Geschichte- so wie Steiner sie liest, mit ihren Merkwürdigkeiten - in jedem Menschen diese Geschichte präsent ist. Mit einem deutlichen Vorrang unserer Zugehörigkeit oder angeblicher Zugehörigkeit, muss man ja sagen, zur arischen Rasse, die da nach wie vor wie etwas behandelt wird, das es wirklich gegeben hat.«" Kommentar: Man sollte unzeitgemäße Ausdrücke wie "arische Rasse" mit dem der "indoeuropäischen Kulturen" ersetzen, da das und nichts anderes von Steiner gemeint war." "In einigen Heften werden Eigenschaften ganzer Völker beschrieben. Vermittelt wird dabei: Russen sind unbeherrscht und unpünktlich, Franzosen oberflächlich, und sogenannte Buschmänner haben Hohlkreuze und starke Hinterteile." Kommentar: Stereotypen sind fatal und haben keinen Platz in der Schule. Zur Völkerkunde: siehe weiter oben. "Hildegard Ernst bildet Geschichtslehrer für staatliche Schulen aus. Ihr legen wir die Waldorfhefte vor. Den Inhalt hält sie für fatal. O-Ton, Hildegard Ernst, Historikerin, Universität Mainz: »In einigen Kapiteln werden Völker mit Stereotypen überzogen, die, wenn sie unkritisch so stehen bleiben, zu rassistischen Vorstellungen führen müssen.«" Kommentar: Völker sollten nicht mit Stereotypen überzogen werden. Wenn es an einer Waldorfschule geschieht, wäre es sinnvoll, das der betroffenen Schule, der Landesarbeitsgemeinschaft, dem zuständigen Ministerium oder dem Bund der Waldorfschulen zu melden, so daß etwas unternommen werden kann. Wenig hilfreich sind anonyme Behauptungen über namenlos bleibende Lehrer an namenlos bleibenden Schulen. "Nach Meinung einiger Eltern finden sich diese Einstellungen auch im Schulalltag - mit schlimmen Konsequenzen. O-Ton, Mutter eines ehemaligen Waldorfschülers: »Behinderte, Ausländer und alles, was nicht in die Schublade, in die gewisse Schublade gepasst hat, ist diskriminiert worden. Und unsere Kinder haben da ganz große Probleme damit gehabt, weil wir sehr weltoffen, sehr tolerant sind. Letztendlich ist es einer der großen Gründe gewesen, warum wir unser Kind von der Waldorfschule genommen haben.«" Kommentar: Anonymen Erfahrungsbehauptungen kann man nicht widersprechen. Ich kenne eine Reihe von Eltern, die die Waldorfschule gerade dafür schätzen, daß Behinderungen nicht diskriminiert werden (und daß problematische Erfahrungen an anderen Schulen oft sogar den Wechsel auf die Waldorfschule bewirkten). Weltoffenheit und Toleranz gegenüber Andersdenkenden, Andersfühlenden und Andershandelnden will Waldorfschule ausbilden. Das gehört zu ihrem expliziten Programm. Ausländer werden als kulturelle Bereicherung gesehen. "Seit einiger Zeit nehmen vermehrt auch jüdische Eltern [ihre Kinder] von der Waldorfschule, das berichtet der Sprecher einer Schweizer Bürgerinitiative, die sich seit Jahren mit den Vorgängen an Waldorfschulen befasst. O-Ton, Samuel Althof, "Aktion Kinder des Holocaust", Basel: »Seit circa 2 Jahren werden Geschichten uns zugetragen aus der Bundesrepublik Deutschland von antisemitischen Vorfällen an Waldorfschulen. Diese Vorfälle sind verschiedener Art, sie beinhalten zum Teil Gewalt gegenüber Kindern, sie beinhalten aber auch verbale Gewalt: Du darfst nicht jüdisch sein, du sollst besser aufhören, Hebräisch zu lernen." Kommentar: Diese Behauptungen aus dem Mund des Ex-Waldorfschülers Samuel Althof sind völlig unglaubwürdig. An der Rudolf Steiner Schule Berlin hat es öfters jüdische Mitschüler gegeben, darunter auch Evelyn, die Tochter von Heinz Galinski, dem damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland. "Alle Schüler mußten einen Religionsunterricht besuchen", berichtet sie heute, "die Rudolf Steiner Schule bestand darauf". Das ist in Berlin unüblich, denn erst seit der Berliner Schulsenator Klaus Böger das neue Jahrtausend der Schulpolitik einläutete, überlegt man, ob man auch an staatlichen Schulen in Berlin dasjenige praktizieren sollte, was Berliner Waldorfschulen schon lange tun: Religion zum Wahlpflichtfach zu machen. Durch die Schule verpflichtet, besuchte Evelyn also den jüdischen Religionsunterricht in der Jüdischen Gemeinde. "Nie ist mir in der Rudolf Steiner Schule auch nur der leiseste Hauch von Anti-Semitismus begegnet", erinnert sie, "im Gegenteil. Mein Vater hat die Schule für mich auch wegen der großen Toleranz ausgesucht, die an dieser Schule durch die Bank herrschte." Ihre Klassenlehrerin, Lore Richter, schätzt sie noch heute. "Eine tolle Frau. Sie war sehr frei. Und rassistische Bemerkungen habe ich an der Schule nie gehört." Mit Rudolf Steiner habe sie nichts am Hut. "Aber wenn ich Kinder gehabt hätte, wären sie selbstverständlich auf eine Waldorf Schule gegangen." Sie hat dann eine Mode Firma mit ihrem Mann geleitet. "Mein Sinn für Farben habe ich sehr der Steiner Schule zu verdanken. Und meine Geduld mit den Lieferanten, die mein Mann immer wieder bewunderte, ist auf meiner schulischen sozialen Grunderfahrung gebaut." Sie meldete sich bei mir, wenige Tage nachdem der "Report"-Bericht ausgestrahlt wurde. Den Bericht hält sie für "übelste Hetze". Am unangenehmsten an der Sendung ist ihr der Beitrag des Ex-Waldorfschülers und Ex-Psychiatriepflegers Samuel Althof, Basel aufgestoßen. Evelyn Hecht-Galinski wollte seinen Behauptungen auf den Grund gehen. Sie hat Althof angerufen und gebeten, ihr zumindest einen antisemitischen Vorfall an einer Waldorfschulen zu schildern. Das habe Althof verweigert mit der Begründung, die Berichte wären ja "nur verbal" gewesen. Weitere Nachfragen habe Althof durch Auflegen des Hörers beantwortet. Ignaz Bubis, Galinskis Nachfolger als Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat noch kurz vor seinem Tod außerhalb seines Protokolls einen langen Umweg auf der Didakta-Interschulmesse in Stuttgart gemacht, um den Stand der Waldorfschulen zu besuchen. Dort verweilte er lange, verlieh seiner warmen Sympathie mit der Waldorfpädagogik in Anwesenheit der Presse Ausdruck und meinte dann schließlich: wenn er noch einmal die Wahl hätte, würde er seine eigenen Kinder wohl auf die Waldorfschule schicken. - Es gibt eine Reihe von Waldorfschulen in Israel. Und in den USA sind viele Waldorflehrer, Eltern und Schüler praktizierende Juden. - Es ist zu bezweifeln, daß Herr Althof seine "Fallstudien" dem ersten Deutschen Fernsehen offenbarte. Das Fernsehen hat die journalistische Sorgfaltspflicht grob verletzt, indem es dennoch Althofs infame Behauptungen ungeprüft ausstrahlte. "Überhaupt: Gehe nicht in den jüdischen Religionsunterricht," Kommentar: Die Wahl des Religionsunterrichts obliegt an Waldorfschulen einzig und allein den Eltern bzw. den Schülern. Selbstverständlich wird die Wahl respektiert. "der Holocaust war eine Notwendigkeit, um das Karma abzutragen, die Opfer sind nötig gewesen, und damit ist der Holocaust legitimiert.«" Kommentar: Das ist eine Verunglimpfung von Waldorfschulen. Die Shoa war eine der unglaublichsten Entsetzlichkeiten der Weltgeschichte, die nur möglich war, weil Menschen bereit waren, Menschlichkeit und Verantwortungsbewußtsein unter das Diktat einer Staatsmacht zu stellen, die nebenbei auch alles Freigeistliche, einschließlich der Waldorfpädagogik, verboten hat. Die ungeheuerlichen Thesen, die Herr Althof hier aufstellt, werden selbstverständlich an keiner Waldorfschule vertreten. Im Gegenteil: Waldorfpädagogik hat es sich von Anfang an zum Auftrag gemacht, das Individuelle im Menschen auf eine Weise zu fördern, daß lebenslang lern- und zusammenarbeitsfähige Menschen dasjenige in der Welt machen, was in ihrem tiefsten Inneren veranlagt ist. Rudolf Steiner hat sich vehement gegen das Schablonenhafte in der Erziehung ausgesprochen. "Rassismus und Antisemitismus in der Waldorfpädagogik? Ein Rückblick. 1919 Rudolf Steiner soll für die Arbeiterkinder der "Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik" eine Schule gründen. Daher der Name Waldorf. Steiner entwickelte dafür eine neue Pädagogik. Grundlage bis heute - die Anthroposophie. Wiedergeburt und Karma stehen dabei im Vordergrund." Kommentar: Höchstens im Hintergrund. Als ein Denkangebot an Waldorflehrer, einmal anders als in Europa üblich den Menschen zu betrachten. Wie jeder Lehrer damit umgeht, ist ihm völlig freigestellt. Das Weltbild, in dem der Mensch in einem chemischen Zufall des Kosmos entsteht und mit dem Tod wieder in Staub übergeht, hat noch keine Pädagogik inspiriert. Selbst wenn der Materialismus die einzige Wahrheit wäre: wir brauchen keine Gedankenpolizei, die Andersdenkende stigmatisiert. "Mit Hilfe von Anthroposophie und Waldorfpädagogik soll der Mensch im nächsten Leben eine höhere geistige Stufe erlangen." Kommentar: Dieser Satz ist konfus. Richtig ist, daß der Mensch durch Waldorfpädagogik ein geerdetes Wesen werden soll, der konfliktfähig und mit Elan Aufgaben initiativ und mit Erfindergeist anpackt. Wohlgemerkt: Aufgaben im Diesseits, nicht in irgendeinem Jenseits.ä Die Aufgabe der Anthroposophie ist eine völlig andere. Steiner hat für erwachsene Menschen einen recht anspruchsvollen Schulungsweg beschrieben, der damit beginnt, die eigenen Seelenregungen in den Griff zu bekommen (das Denken willenlicher von selbst zu gestalten, Gleichmut der Gefühle zu üben, Taten bewußter zu kontrollieren, Offenheit gegenüber dem Andersartigen zu pflegen, usw.). Der Mensch wird hoffentlich im nächsten Leben eine höhere Stufe erlangen, auch wenn er weder Waldorfpädagogik noch Anthroposophie begegnet ist - insofern es ein nächstes Leben gibt. "Doch in Steiners Lehre findet sich auch Folgendes: "Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse". "Der Neger hat also ein starkes Triebleben". "So könnten die Juden also nichts besseres vollbringen, als aufgehen in der übrigen Menschheit, so dass das Judentum als Volk einfach aufhören würde, das ist dasjenige, was ein Ideal wäre". Drei von vielen Zitaten dieser Art aus Steiners Gesamtwerk. Wissenschaftler und Eltern kritisieren, dass die Waldorfbewegung sich bis heute nicht von diesen Aussagen distanziert habe." Kommentar: Die Waldorfbewegung wird sich nicht von Sätzen distanzieren, die in ihrem Gesamtzusammenhang etwas völlig anderes bedeuten als hier unterstellt wird, und noch dazu in der Waldorfpädagogik gar keine Rolle spielen. Auch Anthroposophie gründet nicht auf einzelnen Sätzen, die auf Grund ihres journalistischen Entsetzenseffektes von denjenigen aufgegriffen werden, die es als ihre Mission sehen, Waldorfpädagogik zu diffamieren. Das Gesamtwerk von Steiner umfaßt an die 100 000 Seiten. Neben einer ganzen Reihe von Büchern handelt es sich hauptsächlich um von Steiner nicht autorisierten Vortragsnachschriften. So stammen die Sätze "Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse" und "Der Neger hat also ein starkes Triebleben" beide aus einem Vortrag, den Steiner am 3. März 1923 vor Bauarbeitern hielt. Lassen wir einmal die Tatsache unbeachtet, daß dieser Vortrag mit Waldorfpädagogik überhaupt nichts zu tun hat und schauen wir einmal den Zusammenhang an. (Das Thema "Individualität und Rasse" wird von anthroposophischen Gesichtspunkten von Walter Liebendörfer, das Thema "Anstößige Stellen [bei Steiner] und wie sie zu verstehen sind" von Stefan Leber in "Anthroposophie und Waldorfpädagogik in den Kulturen der Zeit" behandelt. Eine umfangreiche selbstkritische Auseinandersetzung zum Thema "Anthroposophie und die Frage der Rassen" ist 1997 als Zwischenbericht einer niederländischen Untersuchungskommission in Holland erschienen und seit 1998 auch unter diesem Titel in deutscher Fassung veröffentlicht, mit einer Sammlung von 147 kommentierten Steiner Zitaten zu diesem Thema. Anfang April 2000 erschien die endgültige (erweiterte) Fassung.) Liest man den ganzen Vortrag genau, ist auffallend, daß da, wo Steiner überhaupt eine Wertung ausspricht, die physische Konstitution des weißen Europäers am schlechtesten abschneidet. "Wir armen Europäer haben das Denkleben, das im Kopf sitzt. (...) Dadurch aber nehmen wir die ganze Außenwelt auf, werden dadurch leicht Materialisten. Der Neger wird schon kein Materialist. Der bleibt schon innerlich Mensch." Warum? Weil er, im Gegensatz zum Europäer, nicht so leicht seine Beziehung zum Triebleben verliert, welches hier von Steiner repräsentativ für die "lebhafte Ausbildung" desjenigen genommen wird, "was mit dem Körper und mit dem Stoffwechsel zusammenhängt" und von ihm durchaus positiv gewertet wird. Eine "lebhafte Ausbildung" von demjenigen, was mit dem Körper zu tun hat, spricht er in diesem Vortrag auch dem Amerikaner weißer Hautfarbe zu, und wertet es wieder positiv. "Es wird [bei den Amerikanern] eben mehr durch den ganzen Menschen eingesehen [im Gegensatz zu den verkopften "armen Europäern"]. Das haben die Amerikaner dem Europäer voraus." Der Schwarze und der Amerikaner sind schon innerlich Mensch dort, wo der Europäer es erst entwickeln muß. Dieses entwickelt der Europäer, indem er "im Geiste schafft"." Unmittelbar anschließend an die umstrittenen Äußerungen über die verschiedenen Rassen verdeutlicht Steiner, wie er diese Ausführungen versteht: "Sehen Sie, meine Herren, alles dasjenige, was ich Ihnen jetzt geschildert habe, das sind ja Dinge, die im Leibe des Menschen vor sich gehen. Die Seele und der Geist sind mehr oder weniger unabhängig davon." Das ist genau der Punkt, an dem sogar das Reichssicherheitshauptamt 1941 an erster Stelle die prinzipielle Unvereinbarkeit von nationalsozialistischer Rassenlehre und Anthroposophie feststellt: "Die Anthroposophie steht im Widerspruch zur nationalsozialistischen Rassenlehre. Nach nationalsozialistischer Auffassung beziehen sich die rassischen Vererbungsgesetze nicht nur auf den Leib, sondern auf den ganzen Menschen, auch auf Geist und Seele. Die Anthroposophie erkennt ebenso wie die christliche Kirche im wesentlichen nur eine leibliche Vererbungslehre an, indem sie behauptet, daß lediglich der Leib des Menschen von den Eltern stammt, Geist und Seele aber aus dem Geisterreich in diesen Leib übersiedeln. Auf Grund dieser rein äußeren Rasseauffassung muß die Anthroposophie auch zu einer internationalen pazifistichen Einstellung kommen." Steiner hat Differenzen in der Naturanlage zwischen Menschengruppierungen tatsächlich nicht geleugnet. Daraus leitet er aber keinen Rassismus ab, sondern die Notwendigkeit einer symbiotischen Zusammenarbeit innerhalb einer multikulturellen Gesellschaft. Steiner in dem umstrittenen Arbeitervortrag: »Es ist einmal so beim Menschengeschlecht, daß die Menschen über die Erde hin eigentlich alle aufeinander angewiesen sind. Sie müssen einander helfen. Das ergibt sich schon aus der Naturanlage.« Mit dem dritten der oben zitierten Sätze vertritt Steiner auch nicht etwa einen Anti-Semitismus ("So könnten die Juden also nichts besseres vollbringen, als aufgehen in der übrigen Menschheit, so dass das Judentum als Volk einfach aufhören würde, das ist dasjenige, was ein Ideal wäre".) Hier referiert Steiner eine Auffassung, die damals im Europäischen Judentum stark vertreten war. "Aufgehen" heißt natürlich nicht "ausrotten", sondern beschreibt die faktisch vor Hitler weit vorangeschrittene Assimilierung des deutschen Judentums, die durch Hitler jäh brutalst beendet wurde. Das Zitat ist übrigens von Report-Mainz verstümmelt worden, ohne die Auslassungen zu kennzeichnen. Vollständig zitiert lautet die Stelle: "Da alles dasjenige, was die Juden getan haben, jetzt in bewußter Weise von allen Menschen getan werden könnte, so könnten die Juden also nichts besseres vollbringen, als aufgehen in der übrigen Menschheit, sich vermischen mit der übrigen Menschheit, so dass das Judentum als Volk einfach aufhören würde. Das ist dasjenige, was ein Ideal wäre." War es Hitlers Ideal, daß sich das Judentum mit der übrigen Menschheit vermischt? Nur indem von Report-Mainz die Worte "sich vermischen" stillschweigend herausgestrichen wurde, konnte die gewünschte sinnentstellende braune Assoziation beim Fernsehpublikum erreicht werden. Steiner hat übrigens damals in der Dreyfus Affaire stark Partei für Dreyfus ergriffen, was nicht gerade eine Anti-Semitische Haltung belegt. In den "Mitteilungen des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" Nr. 36/10. Jg. 5. Sept. 1900 schreibt Rudolf Steiner: "Für mich hat es nie eine Judenfrage gegeben. Mein Entwicklungsgang war auch ein solcher, daß damals, als ein Teil der nationalen Studentenschaft Österreichs antisemitisch wurde, mir das als eine Verhöhnung aller Bildungserrungenschaften der neuen Zeit erschien. (...) Wir können nur mit Schaudern Revue halten über eine Anzahl von Erfahrungen, die uns der Antisemitismus bereitet hat." Und an einer anderen Stelle in den "Mitteilungen": "Ich habe den Menschen nie nach etwas anderem beurteilen können, als nach den individuellen, persönlichen Charaktereigenschaften. (...) Ich habe im Antisemitismus nie etwas anderes sehen können als eine Anschauung, die bei ihren Trägern auf Inferiorität des Geistes, auf mangelhaftes Urteilsvermögen und Abgeschmacktheit deutet." Diese Haltung entspricht konsequent Steiners Grundeinstellung gegenüber dem Thema "Individualität und Gattung", dargestellt in dem gleichnamigen Kapitel seines Grundwerkes "Die Philosophie der Freiheit" (1894)." Steiners Haltung zum Ideal der Rassen und der der Nationen hat er selber u.a. sehr deutlich am 26. Oktober 1917 ausgesprochen: O-Ton, Rudolf Steiner, Leiter der ersten Waldorfschule: "Ein Mensch noch des 14. Jahrhunderts, der gesprochen hat von dem Ideal der Rassen, von dem Ideal der Nationen, der hat gesprochen aus den fortschreitenden Eigenschaften der menschlichen Entwicklung heraus; ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszusammengehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit. Und wenn er in diesen sogenannten Idealen glaubt, fortschrittliche Ideale vor die Menschheit hinzustellen, so ist das die Unwahrheit. Denn durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen." (Nachzulesen in der Rudolf Steiner Gesamtausgabe Band Nr. 177, S. 206)" "Und: Viele Zeitgenossen Steiners vertraten ähnliche Thesen, doch nur Steiners Lehre sei bis heute Grundlage eines pädagogischen Systems." Kommentar: Nicht alles, was Steiner je geäußert hat, ist Grundlage eines pädagogischen Systems geworden. Die wenigsten Waldorflehrer schaffen es, alle Äußerungen Steiners zur Pädagogik überhaupt nur zu lesen, geschweige denn die anderen 300 plus Bände der Gesamtausgabe.ä "Die Kritiker sehen daher die Gefahr, dass diese Inhalte noch heute an Waldorfschulen gelehrt werden könnten." Kommentar: Es sollen überhaupt keine Inhalte aus der Steinerschen Gesamtausgabe gelehrt werden. Nach Rudolf Steiner soll sich Schule an der aktuellen Weltlage orientieren. Daß an Waldorfschulen leider manchmal auch Verschlafenheit herrscht, ist nicht mit Waldorfpädagogik zu begründen. "Die Waldorfbewegung bildet ihre eigenen Lehrer aus. Mittelpunkt dabei - Steiners Gesamtwerk. Dass manche Waldorflehrer sogenannte Arierwanderungen und Völkerstereotypen im Unterricht vermitteln, muss der Bund der Freien Waldorfschulen eingestehen. O-Ton, Walter Hiller, "Bund der Freien Waldorfschulen", Stuttgart: »Wir haben aber ganz sicherlich verstärkt die Diskussion zu pflegen oder auch zu provozieren, was ist denn berechtigt Bestandteil der Waldorfschule und was hat in der Schule nichts zu suchen, weil es auch wirklich zu Irritationen und vielleicht auch zu Abschweifungen führen kann, die mit einer persönlichen Ambition einer Lehrkraft vielleicht zu tun hat, aber nichts mit dem, was Waldorfschule insgesamt sein soll.« Persönliche Ambitionen einer Lehrkraft? Einzelfälle? Gegenüber REPORT Mainz berichten ehemalige Waldorflehrer, es komme immer wieder vor, dass umstrittene Inhalte unreflektiert in den Unterricht einflössen. Und da es im Unterricht keine Bücher gäbe, seien die Kinder auf das angewiesen, was der Lehrer ihnen erzähle. O-Ton, Norbert Biermann, ausgestiegener Waldorflehrer: »Jeder Waldorflehrer fühlt sich den Lehren Steiners verpflichtet, und solange es für mich keine öffentliche Distanzierung von diesen rassistischen Thesen gibt, ist es für mich unbegreiflich, dass solche Schulen diese Ideologie im ausgehenden 20. Jahrhundert noch verbreiten und dafür auch noch staatliche Förderung beanspruchen.«" Kommentar: Der erste Satz, der von ihm zitiert wird, widerlegt Biermann schon durch seine eigene Existenz. Denn er würde sicherlich nie behaupten, er hätte "sich den Lehren Steiners verpflichtet gefühlt". Norbert Biermann ist auch nicht "ausgestiegen": wegen unzureichenden Fähigkeiten hatte man ihm noch in seinem Probejahr zum Schuljahresende gekündigt. Unangemessenes Verhalten bewog die Schule im März 1988 dann gar zur vorgezogener Kündigung mit sofortiger Freistellung vom Dienst. Die danach von Biermann angestrengte Klage führte zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses am 30.4.1988. Weiterhin verbreiten Waldorfschulen keine rassistischen Ideologien. Wenn sie es täten, wären die Kultusmininsterien in Zusammenarbeit mit den Innenministerien gefordert, das zu unterbinden. Staatliche Förderung gibt es in Deutschland auf der Grundlage von Artikel 7 Absatz 4 des Grundgesetzes. Dieses Gesetz sieht sich insbesondere der Pluralität im Bildungswesen verpflichtet. Es hat gute Gründe, dieses in Deutschland im Grundgesetz zu verankern. "Heiner Ullrich beginnt demnächst die erste empirische Studie zu den Waldorfschulen." Kommentar: Es hat schon mehrere empirische Studien zu den Waldorfschulen gegeben. Die letzte ist eine von Dirk Randoll, die er als Mitarbeiter am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung gemacht hat, erschienen 1999 im Verlag für Wissenschaft und Bildung unter dem Titel "Waldorfpädagogik auf dem Prüfstand. Auch eine Herausforderung an das öffentliche Schulwesen? Mit einer vergleichenden Untersuchung zur Wahrnehmung von Schule durch Abiturienten aus Freien Waldorfschulen und aus staatlichen Gymnasien"." "Er will den Unterricht in der Praxis beobachten. Doch schon jetzt fordert er mehr Pluralität in der Ausbildung von Waldorflehrern. Weniger Steiner könnte bedeuten, O-Ton, Heiner Ullrich, Pädagoge, Universität Mainz: »... dass man sich von nationalistischen, rassistischen, antisemitischen Vorurteilen in dieser Pädagogik ein für alle mal frei machen könnte.«" Kommentar: Heiner Ullrich hat mir am 1. März telefonisch mitgeteilt, daß der von ihm zitierte Halbsatz in keinem sachlichen Zusammenhang mit der vorherigen Zusammenfassung von Herrn Friedler steht. Als Erziehungswissenschaftler interessiert ihn die pädagogische Weiterentwicklung der Waldorfpädagogik. Wir waren uns einig, daß es der Waldorfpädagogik durchaus wohl tun kann, nicht immer auf Steiner zurückzugreifen. In den zweistündigen Aufzeichnungen habe er (Ullrich) nicht gesagt, daß Steiner Nationalist, Rassist oder Anti-Semit gewesen sei. Seine ausgestrahlte Aussage habe sich auf Epochenhefte bezogen. Insofern dort nationalistische, rassistische und antisemitische Vorurteile auftauchen, wäre es in der Tat angebracht, sich von diesen "ein für alle mal" frei zu machen. Wenn es an einer Waldorfschule geschähe, wäre es sinnvoll, das der betroffenen Schule, der Landesarbeitsgemeinschaft, dem zuständigen Ministerium oder dem Bund der Waldorfschulen zu melden, so daß etwas unternommen werden kann. Wenig hilfreich sind anonyme Behauptungen über namenlos bleibende Lehrer an namenlos bleibenden Schulen, worauf sich die Report-Sendung beschränkt. Dr. Ullrich äußert sich ausführlich über die Report Sendung in einem Brief an Walter Hiller, Geschäftsführer beim Bund der Waldorfschulen. Ein Auszug: "Durch ihre tendenziöse Linie und ihre grob verkürzende Wiedergabe von Interviewteilen hat die Sendung nicht zu einer differenzierten Wahrnehmung der Waldorfschulen und ihrer wachsenden pädagogischen Bedeutung beigetragen, sondern selber neue Stereotype erzeugt bzw. alte verstärkt. Sie stellt die Waldorfschulen in eine Ecke, in die sie nicht gehören, weder in ihrer Geschichte noch in der Gegenwart. Der Weiterentwicklung der Waldorfpädagogik und der Intensivierung des Dialogs zwischen der pädagogisch interessierten Öffentlichkeit und den Freien Waldorfschulen, wofür ich mich seit langem engagiere, hat der Report-Beitrag wohl nicht gedient."
Es geht uns wohlgemerkt nicht darum, die Waldorfschulen generell in eine falsche, braune Ecke zu rücken." Kommentar: ... keine Spur von Selbsterkenntnis?" "Wir glauben aber, dass es für die Verantwortlichen höchste Zeit wäre, sich kritisch mit dem Vater der Waldorfschule, Rudolf Steiner, auseinanderzusetzen." Kommentar: Wir danken für die sicherlich wohlgemeinte Belehrung. Schade, daß nicht bemerkt wurde, daß dieses seit Gründung der ersten Waldorfschule geschieht. Seit geraumer Zeit gibt es z.B. ein Jahrbuch der Anthroposophie-Kritik, einen Dialog zwischen Waldorfpädagogen und Erziehungswissenschaftlern, ein Dialog zwischen Waldorfpädagogik und den Kirchen, eine lange holländische Untersuchung zu kontroversen Äußerungen Rudolf Steiners u.v.m.. Schade, daß sich die Verantwortlichen der Report Sendung vor den Karren einer kleinen Gruppe hartgesottener Anti-Waldorf Missionare haben spannen lassen. "Moderation: Bericht: Kamera: Schnitt: Kritischer Kommentar:
Stand: 12.08.2000 Hinterfragt - REPORT2SWR verliert Widerspruchsverfahren."Denn der Beklagte hat nicht dargetan, seiner publizistischen Sorgfaltspflicht genüge getan zu haben" (aus einem Urteil des Landgerichts Frankfurt vom 29.6.2000) :
Antisemitische Vorfälle an Waldorfschulen in Brandenburg ? Kommentar des bildungspolitischen Sprechers der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg zu der Situation in Brandenburg, Dr. Detlef Hardorp: Nachdem mir im Frühjahr die Aussage von einer Dame aus der jüdischen Gemeinde in Brandenburg bekannt wurde, ihr seien "einige Fälle" von jüdischen Bürgern in Brandenburg bekannt gemacht worden, die aufgrund von Diskriminierung ihre Kinder vor zwei oder drei Jahren von der Waldorfschule genommen hätten, fand Anfang April ein ausführliches Gespräch zwischen mir, der Gründungslehrerin der Postdamer Waldorfschule und der Dame aus der jüdischen Gemeinde statt. Bei diesem Gespräch erfuhren wir, dass die Dame mehrfach mit jüdischen Eltern aus Brandenburg gesprochen habe, wenn diese ihr Kind auf die jüdische Schule in Berlin schicken wollten. In diesem Zusammenhang hätte sie vor zwei bis drei Jahren auch mit jüdischen Eltern gesprochen, die Kinder auf Brandenburger Waldorfschulen gehabt hätten. Als Begründung für den gewünschten Schulwechsel hätten diese Eltern ihr von antisemitischen Vorfälle berichtet. Dieses waren Äußerungen gegenüber den Schülern wie: "Mußt Du denn an jüdischen Feiertagen immer fehlen? Wir sind doch alle gemeinsam hier, gemeinsam zusammenlebend." Und im Hort: "Weihnachten ist schön, warum muß man jüdisch sein?" Namen der Eltern wollte sie verständlicherweise aus Diskretion nicht nennen. Um welche Schulen es sich handelt, konnte sie nicht mehr genau erinnern, außer dass sie sich am südlichen Rand von Berlin befänden. Diese Information teilte ich damals dem Redakteur von Info3 mit, der dann in dem Gericht vorgelegten Artikel "Gemeinsames Interesse an Klärung" meldete: "Es konkretisieren sich Hinweise, wonach es mindestens einen Fall unzufriedener Eltern mit jüdischem Hintergrund an einer Waldorfschule in Brandenburg gab." Ich bin den Vorwürfen dann weiter nachgegangen. Bemerkungen der Art: "Mußt Du denn an jüdischen Feiertagen immer fehlen?" und "Warum muß man jüdisch sein?", setzen offensichtlich voraus, dass derjenige, der sie macht, von dem Judentum seines Gegenübers weiß. Ich fragte alle Waldorfschulen in Brandenburg, ob sie je von jüdischen Schülern an ihren Schulen gewußt haben. Ein Schüler war den Schulleitungen bekannt. Die Mutter dieses ehemaligen Schülers der Waldorfschule Potsdam schrieb im Juni d.J.: "Mit großer Verwunderung habe ich erfahren, dass man behauptet, dass es an Brandenburger Waldorfschulen Fälle von Diskrimination von jüdischen Kindern gibt. (...) Wir haben nie Diskriminierungen, abfällige Äußerungen o.ä. erfahren. Ich konnte auch nie feststellen, dass es antisemitische Unterrichtsinhalte gegeben hat, obwohl ich darauf - verständlicherweise und im Interesse meines Kindes - mehr geachtet habe, als es vielleicht andere Eltern tun. Ich habe die Lehrer der Schule immer als herzlich, tolerant und den Kindern zugewandt erlebt und zwar unabhängig davon, aus welchen sozialen, kulturellen und religiösen Elternhäusern sie kamen." Wenn aber keine weiteren jüdischen Schülerinnen oder Schüler an Brandenburger Waldorfschulen bekannt waren, kann es schwerlich antisemitische Äußerungen der oben beschriebenen Art gegeben haben, da diese Äußerungen voraussetzen, dass der Schüler an jüdischen Festtagen gefehlt hat, und somit offensichtlich jüdisch war.
Antisemitische Vorfälle an Waldorfschulen in Deutschland ? Jüdische Kultur und Religion sind heute in Deutschland (leider) kaum noch bekannt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass uralte Stereotypen über sogenannte Semiten - wider besserem Wissen - nicht immer mit der angemessenen Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Man mache sich nichts vor: auch die etwas überhebliche Selbstverständlichkeit der europäischen konfessionell-christlichen Tradition ist ein latenter Nährboden für einen zumindest unterschwelligen Antisemitismus. Dieser kann nirgendwo prinzipiell ausgeschlossen werden. Einzelfälle können leider auch an Waldorfschulen vorkommen. In der Report-Sendung vom 10. Juli kommt eine Dame zu Wort, die von sich sagt, ehemalige Waldorfschülerin zu sein. Ihr wurde, so sagt sie, "sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass ich als Jüdin falsch bin, dass ich Eigenschaften vertrete, die eigentlich an dieser Schule nicht gewünscht sind". Wenn das so war, ist das sehr bedauerlich. Landesrabbiner Berger berichtet auch von einem Fall inakzeptabler Äußerungen über das Judentum im freien christlichen Religionsunterricht an einer Stuttgarter Waldorfschule. Die Lehrerin ist längst verstorben, der Fall liegt 14 Jahre zurück. Dennoch bleiben Ausrutscher dieser Art besonders bedauerlich, denn gerade Waldorfschulen sollten offen und tolerant gegenüber allen Konfessionen und ethnischen Abstammungen sein - auch im freien Religionsunterricht. In Israel sind die drei Waldorfschulen allesamt jüdische Schulen. Selbstverständlich werden dort jüdische Feiertage gefeiert. In Ägypten steht auf dem Gelände der Waldorfschule eine Moschee. In England und den USA gibt es eine Reihe von Waldorfschulen, die von jüdischen Schülern in großer Zahl besucht werden, wie zum Beispiel die Schulen in New York City oder King's Langley nördlich von London. Dennoch wäre es absurd zu denken, dass beim Ergreifen des Berufes "Waldorflehrer" alle persönlichen Schwächen und Vorurteile getilgt würden. So wird man natürlich überall Schwachstellen finden können und diese auch zu Recht kritisieren.
Zu Ernst Uehli und seinem zu Recht kritisierten Buch Im zweiten Jahr der ersten Waldorfschule 1920 kam Ernst Uehli als Lehrer für den freien Religionsunterricht zum Kollegium dazu. Später unterrichtete er auch Kunstgeschichte. Klassenlehrer war er nie. Bis vor kurzem war er - im Gegensatz zu vielen seiner bedeutsameren Kollegen - fast vollständig in Vergessenheit geraten. Die erste Ausgabe seines Buches "Atlantis und die Rätsel der Eiszeitkunst" erschien 1936 und ist von der damaligen Zeitlage schon in der Wortwahl unangenehm beeinflußt. Er gehörte zu denjenigen, die für den Bund der Waldorfschulen im Jahre 1936 verzweifelt gegen die nationalsozialistische Staatsmacht versuchte, das Überleben der Waldorfschulen zu sichern - vergeblich. Das mag auch das von ihm 1936 verfasste Buch "Atlantis und die Rätsel der Eiszeitkunst" mit beeinflußt haben. Die von Report-Mainz zu Recht kritisierten Kapitel über "Rassegründungen" und die "arische Rasse" sind in der Tat streckenweise rassistisch. Uehlis Ausführungen sind auch eine Verballhornung der Ausführungen Steiners über das "Konzert der Völker", welche es - wegen ihrer Differenziertheit - nötig haben, alle zusammenzuklingen. Steiner hat nie die Verschiedenartigkeit der Völker bestritten, hat sogar gewagt, Eigenschaften verschiedener Völkergruppen zu charakterisieren - ein gefährliches Terrain! Steiner beklagte schon damals, dass er hierbei immer wieder mißverstanden wurde. Dabei hat er aber stets deutlich gemacht, dass er nur versuche, Eigenschaften des physischen Leibes zu charakterisieren. Nach Steiner ist die Entwicklung der Seele und des Geistes des einzelnen Menschen von diesen Eigenschaften weitgehend unabhängig. Bei Uehli fehlen jegliche einschränkende Bemerkungen dieser Art. Nach Steiner ist der Mensch eben nicht Knecht seiner Rasse, seines Volkes, seines Stammes, seiner Familie, wie er in seinem grundlegenden Kapitel "Individualität und Gattung" in seinem Hauptwerk "Die Philosophie der Freiheit" mehr als deutlich ausführt, denn der Mensch sollte nicht Knecht seines physischen Leibes sein. Grundlage des Rassismus ist die gegenteilige Auffassung, die den Menschen ins Gattungsmäßige zwängt, den Menschen animalisiert. "The naked ape" ist rassistisch gedacht, weil Individualität als Nebenprodukt des physischen Leibes gesehen wird. Steiner leugnet auch nicht die Errungenschaften der europäischen Zivilisation, weist aber oft auf die Probleme und Begrenzungen dieser Zivilisation gegenüber anderen hin - im Gegensatz zu Uehli, der die "arische Rasse" deutlich über die anderen stellt. Nach Steiner kann man die europäischen Zivilisation sowohl als Höhepunkt der menschlichen Entwicklung wie auch als Tiefpunkt betrachten. Hier gibt es nach Steiner keine absolut gültige Wertung: es ist immer eine Frage der Perspektive. Perspektiven gibt es viele, und keine Perspektive kann für sich die reine Wahrheit beanspruchen - so Steiner. Diese höchst komplexen, polaren Ansätze der Anthroposophie werden von Uehli unterschlagen und auf ein simplistisches und streckenweise rassistisches Schema reduziert. Äußerst peinlich ist auch die Tatsache, dass Uehlis Buch bis vor kurzem noch in einem Heft mit Literaturangaben für die Arbeit von Klassenlehrern an Waldorfschulen aufgeführt war. Auf der Liste stehen fast eintausend Literaturangaben - ein Sammelsurium über bestehende Literatur, zusammengetragen von Lehrern für Lehrer. "Die Beurteilung, wie weit und in welcher Hinsicht ein aufgenommener Titel für die Unterrichtsvorbereitung geeignet ist, muß dem Klassenlehrer selbst überlassen werden" - so steht es in der Vorbemerkung der Literaturliste. Selbst mit solch einem "Disclaimer" dürfte das Buch von Uehli definitiv nicht auf einer Literaturliste für Waldorflehrer stehen. Dieses Versäumnis ist primär darauf zurückzuführen, dass es fast keiner mehr gelesen hat. Uehlis Buch stand lediglich verstaubt und einflußlos auf manchen Regalen, bis Report-Mainz es zum tonangebenden Lehrbuch aufbauschte. Oder doch nicht? Eine Zeitung berichtete, sie hätte in Berlin einen Fall ausfindig gemacht, wo Uehli für den Unterricht herangezogen wurde. Daraufhin habe ich alle Berliner Waldorflehrer über die Schulleitungen aller Berliner Waldorfschulen fragen lassen. Von allen Lehrern der sechs Schulen kannten nur vier das Buch vor der Report Sendung, unter ihnen ein einziger Klassenlehrer. Keiner dieser Lehrer hat Uehlis Ausführungen je zur Unterrichtsvorbereitung herangezogen. Denn selbst die Erörterungen zur Eiszeitkunst, worüber es in dem Buch hauptsächlich geht, sind veraltet - eben auf dem Stand von 1936. Der Verlag, der Uehlis Buch 1980 neu auflegte (Mellinger Verlag, Stuttgart) kann diese Entscheidung heute nicht mehr nachvollziehen. Der damalige Verlagsleiter, der sich dazu entschied, ist verstorben. Der Verlag hat vor wenigen Tagen beschlossen, das Buch nicht mehr auszuliefern. Das durfte ihm nicht zu schwer gefallen sein, da fast die gesamte Restauflage nach dem Report-Mainz Wirbel verkauft wurde. Das SD-Hauptamt urteilte in einem Bericht vom Mai 1936 über die Grundlage der Waldorfpädagogik: "Auch die Anthroposophie löst den Geist aus seiner Verbindung mit der Rasse und dem Volk und verdammt das Rassische und Völkische in eine niedere Sphäre der Primitivität, des Instinkts, des durch den Geist zu überwindenden Triebs, der Vorzeitlichkeit. Sie erweist damit ihre Verflechtung mit den Hauptströmungen der bisherigen europäischen Geistesgeschichte, vor allem der Aufklärung, dem deutschen Idealismus und dem Liberalismus des vergangenen Jahrhunderts. (...) Diese weltanschaulichen Grundlagen bewirkten, dass die Anthroposophie in verhängnissvoller Weise allen anti-völkischen und anti-nationalen, überstaatlichen, pazifistischen und insbesondere jüdischen Einflüssen offengestanden hat. (...) Entsprechend der Bewertung des Staatlichen und Politischen als minderwertig wurde die für das deutsche Volk gefährliche These aufgestellt, dass seine Aufgabe nicht im Politischen, sondern im Kulturellen läge: "Deutschland muß seine Politik auf kulturell-geistiger Grundlage aufrichten, wenn es sich in der Zukunft als Nation behaupten will". (Nachzulesen in Uwe Werner: "Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus", Oldenburg, 1999, S. 383f) So zitierte der Nachrichtendienst der SS den Schweizer Ernst Uehli. 1875 geboren und 1959 gestorben, mußte er 1938 aus politischen Gründen Deutschland verlassen.
Reizwort "Arier" Allerdings hat auch Steiner von "Ariern" gesprochen. Dieses von den Nazis und Antisemiten ruinierte Wort bezeichnete zu Steiners Zeiten einfach die Völker der indoeuropäischen Sprachfamilie. Steiner jedoch faßte diese Kulturgruppe weiter. Er zählte die semitischen Völker zu den Ariern. Mehr noch, er hielt die semitischen Völker für die Begründer und Pfleger der Kernkompetenz der indoeuropäischen Kulturen. Mit den Ursemiten begann für ihn die indoeuropäische Entwicklung, deren Denkstil die Grundlage der heutigen Weltkultur ist. Und in den Juden speziell sah er das Volk, das diesen Kulturimpuls am dezidiertesten und konsequentesten durch die Zeitalter trug und entsprechende Entwicklungen vor allem in den verschiedenen indoeuropäischen Kulturen anregte. Die Juden als die Arier schlechthin - deutlicher kann man zu den Antisemiten kaum in Opposition stehen. Dennoch kann man das Wort "Arier" nach dem Terror des Nationalsozialismus heute unkritisch nicht mehr benützen, wie ich schon in meinem Kommentar zur Report Sendung vom Februar anmerkte. Dass das vereinzelt an Waldorfschulen in der Vergangenheit geschehen ist, beruht auf einem unverantwortlichen Maß an Naivität und auf unreflektierten Traditionen. Man ist nie modern, wenn man aus Tradition arbeitet, und immer modern, wenn man aus reflektiertem Bewußtsein arbeitet. Wenn die Waldorfschulen an Steiner anknüpfen wollen, müssen sie letzteres tun. Denn ein guter Lehrer weiß nicht nur, was er tut, er weiß auch, warum er es tut. Und er beruft sich nicht auf veraltete Formen aus dem Werk einer Autorität, sondern er findet den lebendigen Geist einer aus dem Menschen begründeten Pädagogik, indem er diese Pädagogik ständig neu erfindet - selbstverständlich in modernem Gewand. Steiner brachte bereits in seiner ersten selbständigen Publikation, in den "Grundlinien einer Erkenntnistheorie..." 1886 seine Auffassung zum Ausdruck, die Würde des Menschen bestehe in seiner freien, auf Selbstbestimmung beruhenden Sittlichkeit und das gesellschaftlich-politische Leben müsse auf diese freie Selbstbestimmung gegründet werden. Er entwarf 1894 in seiner Philosophie der Freiheit ein philosophisches Menschenverständnis, das die menschliche Freiheit nur durch die Überwindung der biologischen, gesellschaftlichen und kollektiven Abhängigkeiten für erreichbar hielt: "Von diesem Gattungsmäßigen macht sich aber der Mensch frei. (...) Ist ein Mensch bis zu dieser Loslösung von dem Gattungsmäßigen durchgedrungen, und wir wollen alles, was an ihm ist, auch dann noch aus dem Charakter der Gattung erklären, so haben wir für das Individuelle kein Organ." Konstitutiv für die soziale und politische Gemeinschaft war für Steiner 1894 individuelle Selbstbestimmung und Toleranz: Diese philosophische, auf Freiheit und Toleranz gegründete Weltsicht bezieht sich nicht nur auf den individuellen Menschen, sondern auch auf das soziale und politische Ganze. Sie bildet die Grundlage der von Steiner nach der Jahrhundertwende entwickelten "Anthroposophie". So teilte er etwa 1917 seinen Zuhörern mit: "Denn durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen. Durch nichts wird der wirkliche Fortschritt der Menschheit mehr aufgehalten als dadurch, dass aus früheren Jahrhunderten stammende [...] fortkonservierte Deklamationen herrschen werden über die Ideale der Völker, während das wirkliche Ideal dasjenige werden müsste, was in der rein geistigen Welt, nicht aus dem Blute heraus, gefunden werden kann." (Siehe auch die ausgezeichnete "Stellungnahme zum gegen Steiner erhobenen Antisemitismusvorworf" von Michael Schild, dem die letzten Absätze entnommen sind.) Äußerungen wie diese hat "völkische Elemente" in München zu einem Anschlag auf Steiners Leben veranlaßt. Es gehört übrigens zu den Verdiensten von Ernst Uehli, maßgeblich dazu beigetragen zu haben, diesen Anschlag zu vereiteln. Es ist nicht zu leugnen, dass Rudolf Steiner auch einige flapsige und fragwürdige Bemerkungen in einigen spontanen aber mitstenographierten Fragebeantwortungen gemacht hat, die anders als seine Ausführungen in der "Philosophie der Freiheit" klingen, und in letzter Zeit wiederholt in der Presse abgedruckt worden sind. Einige dieser Sätze sind per se abstoßend, waren aber in der damaligen Zeit gängig. Andere scheinen abstoßend, bis man sie in den Zusammenhang richtig eingeordnet hat. Diese Sätze sind nicht maßgeblich für das Werk Rudolf Steiners, das immerhin fast 100 000 Seiten umfaßt. Maßgeblich sind seine Grundwerke wie die "Philosophie der Freiheit". Und für die Waldorfpädagogik der Geist seiner Vorträge über Pädagogik. Soviel besonnenes Urteil ist aber von Eric Friedler, Barbara Siebert und Fritz Frey nicht zu erwarten, da das der Zielrichtung ihrer Art Journalismus deutlich entgegensteht. Um eine ausgewogene Berichterstattung ist es nie gegangen. Konsequenterweise hat man in der zweiten, für das Sommerloch aufgewärmten Report Sendung die Betroffenen nicht einmal mehr alibihaft zu Wort kommen lassen. Es geht die ganze Zeit nur um eines: das Erzeugen von wirksamer Negativität - und das beherrschen die Autoren bereits in den Dimensionen propagandistischer Kunst. P.S.: In seinem Sammelantwortschreiben vom 21.7.2000 an alle Briefeschreiber zur zweiten Report Sendung schreibt Fritz Frey, dass die Report Autoren versucht hätten, eine Stellungnahme vom Bund der Waldorfschulen einzuholen. "Leider scheiterte der Versuch einer telefonischen Kontaktaufnahme. Bei einem Telefonanruf der Autoren beim "Bund der Waldorfschulen" in Stuttgart wurde ihnen lediglich die knappe, mündliche Auskunft erteilt, man wolle nicht mehr mit ihnen kommunizieren." - Es scheinen sich die Autoren verwählt zu haben - eine glatte Lüge muß diese Aussage nicht sein. Denn beim Bund der Waldorfschulen in Stuttgart nahm keiner einen derartigen Anruf entgegen. Es sind dort auch keine Anweisungen gegeben worden, nicht mehr mit Report-Mainz zu sprechen.
Und Atlantis? Hierzu schrieb ich schon in meinem Kommentar von Anfang März : "Mythologie spielt in den unteren Klassen der Waldorfpädagogik eine große Rolle. In der 5. Klasse ist u.a. Griechenland dran. Griechische Mythologie ist bekanntlich im Abendland nicht ganz unbedeutend gewesen. Hier muß es aber um mehr als Mythologie gehen, weil sich bekanntlich auch scharfes philosophisches Denken in der griechischen Kultur entwickelte. Weder in dem neusten Buch zum Kurrikulum der Waldorfschule von Tobias Richter noch in der von Waldorflehrern viel benutzen Orientierungshilfe "Geschichte Lehren" von Christoph Lindenberg wird Atlantis überhaupt erwähnt - und das Buch von Uehli selbstverständlich auch nicht. In einer Sammlung von Unterrichtsmaterialien für Klassenlehrer (veröffentlicht in "Arbeitsmaterial für Klassenlehrer. Zur Unterrichtsgestaltung im 1. bis 8. Schuljahr an Waldorf - Rudolf Steiner Schulen", Verlag am Goetheanum) findet sich der lapidare Satz zum Unterricht der 5. Klasse: »Es kann angedeutet werden, dass Platon von einem mächtigen und alten Reich Atlantis spricht, das durch gewaltige Stürme, Erdbeben und Überschwemmungen untergegangen sei (siehe Platons Timaeus und Critias).«" "Das Konjunktiv zeigt, dass Mythologie nicht als geschichtliche Tatsache gelehrt werden sollte. Es ist in der Tat Aufgabe des Lehrers, diesen Unterschied deutlich zu machen." Eine Umfrage bei Klassenlehrern an den Berliner und Brandenburger Schulen zeigte, dass die meisten Atlantis gar nicht behandeln. Einige Klassenlehrer erzählen den Mythos - selbstverständlich als Mythologie und nicht als geschichtliche Tatsache. Ein Berliner Geschichtslehrer behandelt gelegentlich in der Oberstufe die aktuelle Atlantis-Forschung: ein spannendes Forschungsfeld. Im März schrieb ich weiter: "Heute wird dasjenige, was Steiner kurz als "Arier" bezeichnete, unter dem Begriff der Indo-Europäischen (zuvor Indo-Germanischen) Völker zusammengefaßt. Es ist zutreffend, dass im klassischen europäischen Waldorfkurrikulum eine Betonung der Geschichte dieser Kulturen erfolgt. An der Waldorfschule in Capetown - die übrigens noch vor der offiziellen Überwindung der Rassentrennung das Recht erkämpfte, in gemischten Klassen zu unterrichten - ist die Gewichtung anders. Lindenberg schreibt (mit Steiner), man solle besonders auf die Andersartigkeit der alten morgenländischen Kulturen, die sich z.B. in den Veden, den Upanischaden und der Mahabarata widerspiegeln, gegenüber der abendländischen Kultur herausarbeiten. Inwiefern dabei die Kulturen Chinas, Afrikas und anderen Kulturen der sogenannten "Dritten Welt" zu kurz kommen, ist eine berechtigte Frage, die sich allerdings nicht nur die Waldorfschulen stellen sollten." Wenn jemand wirklich etwas über das Verhältnis von Anthroposophie und Waldorfschule zu anderen Völkern und "Rassen" erfahren will, nehme er bitte ein aktuelles Buch, zum Beispiel: "Hear the Voice of the Griot!" von Betty Staley (Fair Oaks, California: Rudolf Steiner College Press 1996). Da kann man erfahren, wie Afrikanische Kultur an Waldorfschulen behandelt wird: Geschichte, Geographie, Sagen, Märchen, Gedichte, Lieder, Spiele und sogar Kochrezepte. Die Familie der Autorin Betty Staley stammt übrigens aus Odessa. Ihr jüdischer Vater hat dort den Nazi-Terror erlitten, wie auch viele jüdische Waldorflehrer und Anthroposophen in Deutschland und Österreich. Die Waldorfschulen werden sich von tendenziöser Medienmacht nicht einschüchtern lassen. Insbesondere nicht, wenn offensichtlich von einem Feindbild ausgegangen wird, und - um dieses zu inszenieren - gezielt negative Aussagen aneinander gereiht werden. Auf diese Weise kann man erhebliche Brunnenvergiftung bewirken. Nur wer sich in der Materie auskennt, bemerkt sofort die tendenziöse Berichterstattung. Kennt die Mehrheit der Zuschauer die Materie nicht - und das ist beim Thema Waldorfschulen der Fall -, wird dort die gewünschte Wirkung erzielt. Das Reichspropagandaministerium hatte das perfektioniert. Detlef Hardorp
Weitere Links zum Thema: Stellungnahme zum gegen Steiner erhobenen Antisemitismusvorworf
Stand: 2.05.2001:
O-Ton REPORT (am 9. April 2001): "Nach so gründlichen Nachforschungen wollen nun auch wir nicht mehr von vermehrten jüdischen Schulabgängen sprechen." Die eigentliche Kapitulation kommt versteckt inmitten von viel gehaltlosem Getöse. Da wird den Waldorfschulen in nicht weniger als drei (!) REPORT-Sendungen Antisemitismus vorgehalten, auf Grund dessen "in letzter Zeit vermehrt jüdische Kinder abgemeldet" worden seien - und nun ist alles nicht so schlimm. Die Aussage bedeutet im Klartext, daß sich REPORT vor dem gerichtlichen Hauptverfahren geschlagen gibt und den Bund der Waldorfschulen klaglos stellt. Im Eilverfahren konnten die Mainzer in zweiter Instanz zwar das Gericht überzeugen, daß die Wahrheit ihrer Behauptung noch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann; in dem eigentlichen Hauptverfahren hätten sie aber Roß und Reiter nennen müssen statt anonymer Verdächtigungen. Das können sie offensichtlich nicht, denn sonst käme jetzt nicht dieser Rückzieher. Die juristisch verbindliche Unterlassungserklärung von REPORT MAINZ lautet: "Der SWR verpflichtet sich hiermit, es bei Meidung einer vom Bund der Freien Waldorfschulen e.V. in jedem Fall der Zuwiderhandlung nach billigem Ermessen festzusetzenden und im Streitfall vom zuständigen Gericht der Höhe nach zu überprüfenden Vertragsstrafe zu unterlassen, zu behaupten bzw. behaupten zu lassen und/oder zu verbreiten bzw. verbreiten zu lassen, jüdische Eltern nähmen vermehrt ihre Kinder von der Waldorfschule."
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